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Klaus Merz
Landpartie

Klaus Merz

„Hallo Godot!“ Wer auf seinem Landspaziergang solcherart angesprochen wird, darf schon ein wenig erschrecken vor dem Wort. Kein Mensch weit und breit, die Leute des Weilers haben an diesem strahlenden Tag Gescheiteres zu tun, als vor ihren Häusern zu hocken und Maulaffen feilzuhalten, das besorgt für sie der Papagei:

„Hallo Godot!“ — Haben wir tatsächlich recht gehört? Ein weiteres Mal ist der Gruß nicht aus dem Vogel herauszukriegen. „Leck mich!“, krächzt er lediglich. Und wir stehen unverhofft als Verweser des großen Abwesenden im Windschatten eines Gehöfts und wissen nicht recht weiter. — Der Vogel beißt ins Haselrütchen, das wir ihm zwischen den Gitterstäben hindurch unauffällig ins Gefieder stoßen, um ihn ein wenig zu beleben, doch er bleibt stumm.

Vermutlich gibt es eine vorwitzige Studentin in der Familie, einen von der Scholle wegdriftenden Bauernsohn, theaterbesessene Zwillinge, sie haben ihm diesen Gruß, der am geneigten Spaziergänger natürlich hängen bleibt wie eine Handvoll nasser Konfetti, kurz vor ihrer Landflucht noch beigebracht. Wir selber kommen auch vom Weg ab, es wird Zeit:

„Godot wär da! Wo sind die andern?“, rufen wir, drehn auf dem Absatz über die Jauchegrube und vom Vogel weg: „Sind das die Bretter, die die Welt bedeuten?“, fragt die Begleiterin und stockt. Ein Akrobat schraubt sich am Himmel durch die dünne Luft. Er hat den stillen Ort als Absturzraum für sich gebucht: „Herrgott, kann man denn nirgends unbehelligt wandern?“ Der Vogel ächzt, die Frau weist mit der Hand in die Rabatten: „Sie pflanzen Hanf!“ Ich trete an den Zaun und winke ab: „Das Kraut heißt Estragon, komm weiter!“

©  Klaus Merz

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